Tag 1 Amazonas Tour: Piranha fischen, Sonnenuntergang und Alligatoren

Was wäre eine Brasilienreise ohne Amazonas-Tour? Im Internet recherchierte ich über die verschiedenen Angebote. Es gibt unglaubliche viele – von Schwimmen mit Delfinen bis hin zu einem einwöchigen Aufenthalt. Auf Grund des Zeitmangels blieb uns nur diese Variante: 2-Tages Tour mit 1 Übernachtung. Leonardo Mendes heißt der Betreiber der "Anaconda Amazon Island Lodge". Die Tour kostet ca 180€, aber ich muss sagen, das Geld ist es alle Male wert! Es gab nie Probleme. Weder mit der Buchung noch während des Aufenthalts. Per Email kann man sich immer an Leonardo wenden. Es gibt wirklich nichts, das ich verbessern würde. So viel zum allgemeinen Teil. Starten wir los 🙂

Begonnen hat der erste Tag mit einem guten Frühstück im Ocara Hostel. Um 8:30 sollte uns der Fahrer abholen. 8:30 brasilianische Zeit heißt: um 9:00 war er da. Er brachte uns und 6 weitere Reisende mit dem Auto aus Manaus hinaus und in die Amazonasregion hinein. Wir überquerten eine Brücke und erst da wurde uns bewusst, wie groß der Amazonas eigentlich wirklich ist. Er kann mehrere Kilometer breit werden. Das Tiefland des Amazonas ist das größte Sauerstoffreservoir der Erde. 200 Nebenflüsse machen die Amazonasregion zu einem atemberaubenden Schauspiel. Der Amazonas durchzieht den Regenwald als würde er ihn beschützen wollen.

Nun, dort angekommen fuhren wir mit einem Boot ca 30min lang zur Lodge. Der Wellengang war auf Grund des starken Windes sehr groß, das Boot mit 10 Leuten und Gepäck aber relativ klein. Ich hatte manchmal Angst umzukippen, aber der Bootsfahrer wusste was er tat. Er nutzte jede Welle und drehte das Boot so, dass wir nicht kentern konnten. Denke ich zumindest. Vielleicht hatte er selber Todesangst – aber das glaube ich nicht.

Bei der Lodge angekommen erwartete uns ein leckeres Mittagessen, bestehend aus Fisch, Reis, Nudeln, Salat und Obst. Wir lernten hier auch die anderen Mitreisenden kennen. Wirklich sehr nette Leute. Danach hatten wir Zeit unsere Lodge zu beziehen. Wir hatten uns auf ein notdürftiges Zimmer eingestellt und waren deswegen sehr positiv überrascht: ein gemütliches Bett, ein sauberes Bad und das beste: Blick auf den gigantischen Amazonas. Es hätte meiner Meinung nach ruhig etwas "verdorbener" sein können, ist ja immerhin eine Amazonas-Dschungel-Regenwald-Survival-Tour und kein 5-Sterne-Luxus-Urlaub. Da die Lodge am Rio Negro liegt, gibt es hier auch sehr wenige Mosquitos. Ich empfehle trotzdem immer einen Anti-Mücken-Spray mitzunehmen! 😉

Um 3 Uhr ging es dann mit unserem Guide Fabio in die Tiefen des Amazonas-Gebiets. Es ist unglaublich wie er sich dort auskennt. Fabio stammt von einem indigenen Stamm ab, ist 1,50m groß und einfach unglaublich lustig. Er hat diese zwei Tage wirklich zu etwas ganz besonderem gemacht. Jetzt hieß unser Auftrag: Piranha fischen. Wie cool ist das denn!? 🙂 Wir fuhren also 2x links, dann rechts, dann wieder rechts und 6x links. So kam es zumindest mir vor. Dann brachte er uns etwas tiefer rein und stoppte das Boot. Er holte ein Stück Fleisch aus seinem Rucksack und schnitt es in kleine Teile. Danach teilte er unsere "Angeln" aus: Bambus-Stäbe mit Haken. Das Fleisch brachten wir am Haken an und dann ging es los. Man spürte sofort, wie die Piranhas am Haken anbissen. Als erfahrene Anglerin riss ich die Angel aus dem Wasser und musste feststellen, dass ich weder einen Piranha gefangen habe, noch Fleisch auf dem Haken übrig blieb. Nächster Versuch.An dieser Stelle war keiner am Boot erfolgreich. Also suchte er die nächste Stelle.

An 3 verschiedenen Plätzen im Amazonas-Gebiet versuchten wir unser Glück und die Hälfte der Mannschaft (nun waren wir bereits ein super eingespieltes Team) fischte tatsächlich einen Piranha. Ich habe keinen gefangen, wollte die Männer am Boot nicht in Verlegenheit bringen und bewunderte sie natürlich sehr, als sie mir die Piranhas ins Gesicht hielten.

Nach dem Fischen brachte uns Fabio zu einer sehr offenen Stelle des Flusses. Er meinte uns hier den schönste Sonnenuntergang unseres Lebens zu zeigen. Es lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Wir saßen auf dem Boot, ringsherum der große Strom und vor dir die Sonne, so groß wie noch nie. Ein unglaublicher Moment, den ich nie vergessen werde.

Da es in Brasilien innerhalb einer halben Stunden stockdunkel wird, meinte ein Amerikaner, dass es wohl jetzt Zeit wird zurück zur Lodge zu fahren. Fabio schmunzelte nur und sagte darauf "Nein, nein. Ich fange euch jetzt einen Alligator". Hier musste ich schlucken.
Links, rechts, rechts, links, links, rechts, links ging es wieder hinein in die Tiefen des Regenwalds. "Ihr müsst jetzt ganz leise sein" flüsterte Fabio und stellte den Motor ab. Er holte eine Stirnlampe und ein Paddel. Links, rechts, links brachte er uns noch weiter ins Gestrüpp. Zwischen zwei Bäumen stoppte er unser Boot. Leise flüsterte er: "Dort drüben, seht Ihr das? Dort sind zwei rote Augen!!" Ich konnte meinen Augen nicht trauen – dort war wirklich ein Alligator. Man konnte die zwei roten Augen aus dem Wasser reflektieren sehen. Plötzlich sprang er aus dem Boot hinein ins Wasser, welches ihm bis zum Bauchnabel stand. Es war finster und kein einziges Geräusch zu hören. Wir saßen im Boot und krallten uns irgendwo fest. Fabio, der der einzige war, der den Weg hier hinaus kannte, war nun im Wasser auf Alligatoren-Suche. Die Minuten kamen mir wie Stunden vor. Wir sahen nur das Licht seiner Stirnlampe immer wieder hin und her schwenken. Wir scherzten um unsere Angst zu vertuschen. Schlussendlich kam Fabio zurück und meinte: "Ich habe leider keinen großen Alligator gefangen – dafür habe ich zwei Kleinere erwischt" und hielt sie hoch.

Der Heimweg war für mich das Schönste an diesem Tag. Nach dem Adrenalin-Kick der Alligatoren-Geschichte führte uns Fabio aus dem tiefen Regenwald hinaus auf den weiten Amazonas. Es war so dunkel wie noch nie und über uns sah man eines der tollsten Schauspiele des Universums: Die Milchstraße. Ich habe noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen. Wir fuhren also in Mitten der Nacht auf dem größten Fluss Südamerikas und ober uns nichts außer Sterne. Ein perfekter Abschluss eines perfekten abenteuerlichen Tages.

 

 

Großartiges sehen und Atemberaubendes tun.

WL

2 Kommentare bei „Tag 1 Amazonas Tour: Piranha fischen, Sonnenuntergang und Alligatoren“

  1. […] Ein einziges Labyrinth aus Bäumen, Flüsschen und Tümpel. Was ich so alles erlebt habe könnt ihr hier und hier […]

  2. […] AMAZONAS TOUR 1: PIRANHA FISCHEN, SONNENUNTERGANG UND ALLIGATOREN […]

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